Warum Pflanzenschutz?

OHNE GEHT ES NICHT: PFLANZENSCHUTZ IST VORAUSSETZUNG FÜR GUTE, SICHERE ERNTEN

Im Supermarkt freuen wir uns über volle Obst- und Gemüseregale und eine große Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln. Ohne Pflanzenschutz wäre unser Einkaufskorb deutlich leerer. Wie moderner Pflanzenschutz dazu beiträgt, dass wir immer mit genügend und gesunden Lebensmitteln versorgt sind – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Pflanzenschutz – was heißt das eigentlich?

Unter Pflanzenschutz fällt alles, was Landwirte tun, um ihre Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern zu schützen, damit sie sich gesund entwickeln und bis zur Ernte sicher heranwachsen können. Für viele Verbraucher ist Pflanzenschutz gleichbedeutend mit der „Chemie-Keule“ und „Gift“, das auf die Felder gespritzt wird. Tatsächlich besteht Pflanzenschutz aber aus einer Vielzahl an Bausteinen, chemische Pflanzenschutzmittel sind nur einer davon. Auch biologische Maßnahmen, wie das Aussetzen von Nützlingen gegen Schädlinge oder die mechanische Unkrautbekämpfung mit dem Pflug, gehören beispielsweise dazu.

 

Warum ist Pflanzenschutz notwendig?

Ohne Pflanzenschutz sind Getreide, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben und Co. auf dem Acker ein gefundenes Fressen für Schädlinge und Krankheitserreger. Schnecken, Würmer und Insekten fressen die Pflanzen kaputt. Sie übertragen Pilzkrankheiten, die durch feucht-warmes Wetter noch begünstigt werden. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich Unkräuter auf dem Feld ausbreiten und mit den Nutzpflanzen um Licht, Sauerstoff, Wasser und Nährstoffe aus dem Boden konkurrieren. All das kann zu geringeren Ernteerträgen oder gar Ernteausfällen führen: Ohne Pflanzenschutz leidet nicht nur die Qualität der Getreide-, Obst- und Gemüseernten, sondern auch die Menge. Modellberechnungen zeigen, dass ausreichende Erträge hochwertiger Lebensmittel, wie sie vom Verbraucher gewünscht werden, ohne Pflanzenschutz nicht zur Verfügung stehen würden.

Was tun Landwirte, um ihre Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkrautbefall zu schützen?
Landwirten stehen verschiedene Bausteine zur Verfügung, die sie je nach Bedarf und Situation miteinander kombinieren, um ihre Pflanzen optimal zu schützen. Sie sind dabei gesetzlich dazu verpflichtet, nicht-chemische Maßnahmen zum Schutz ihrer Kulturpflanzen und zum optimalen Pflanzenwachstum vorzunehmen. Erst wenn diese nicht greifen oder nicht möglich sind, kommen gezielt chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Dieser ganzheitliche Pflanzenschutz besteht aus sechs Bausteinen.

 

Pflanzenschutz beginnt bei der Züchtung neuer Pflanzensorten, die kaum oder gar nicht anfällig für bestimmte Schädlinge sind, und der richtigen Sortenwahl. Forscher entwickeln im Labor heutzutage beispielsweise Getreidesorten, die resistent sind gegen Viren, Pilze und Bakterien. Auch indem Landwirte den idealen Standort sowie den besten Zeitpunkt zum Aussäen der Pflanzensamen auswählen, betreiben sie Pflanzenschutz: Zu den acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen, also den Anbauverfahren, gehören das Düngen und die Suche nach den optimalen Gegebenheiten für die Pflanzensorte. Die mechanisch-physikalische Bekämpfung von Schädlingen gehört ebenfalls zum Pflanzenschutz: Der Landwirt beseitigt Unkraut mit der Hacke oder spannt Schutznetze über Gemüsefeldern. Immer wichtiger wird der Baustein der biologischen Bekämpfung: Hier werden Nützlinge wie Marienkäfer oder Schlupfwespen gezielt gegen Schädlinge wie Blattläuse eingesetzt und so die natürlichen Verhältnisse zwischen Fressfeinden ausgenutzt. Der Baustein der biotechnischen Pflanzenschutzverfahren ist ebenfalls von der Natur inspiriert: Synthetisch im Labor hergestellte Lockstoffe, zum Beispiel Pheromone, locken unerwünschte Plagegeister auf dem Acker in Fallen, sodass sie kein Unheil mehr anrichten können. Greifen diese Bausteine des Pflanzenschutzes gar nicht oder erzielen sie keine ausreichende Wirkung, helfen chemische Pflanzenschutzmittel wie Herbizide, Fungizide oder Insektizide. Nach dem Prinzip „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ setzen Landwirte exakt dosiert dasjenige Mittel ein, das möglichst gegen einen spezifischen Schädling wirkt, ohne andere Tier- und Pflanzenarten zu beeinträchtigen.

Wie gehen Landwirte im Alltag mit chemischen Pflanzenschutzmitteln um?
Sehr bedacht. Das oft vorherrschende Vorurteil, Landwirte würden aus Profitgier ohne Sinn und Verstand Chemie auf ihren Feldern einsetzen, ist falsch und macht auch keinen Sinn: Für einen Landwirt sind die Böden seiner Ackerflächen die Grundlage seiner Existenz. Allein deswegen geht er besonders sorgsam damit um. Pflanzenschutzmittel sind zudem kostenintensiv – kein Landwirt verwendet mehr als er muss. Um chemische Pflanzenschutzmittel kaufen, lagern und einsetzen zu dürfen, müssen Landwirte durch einen Sachkundeausweis nachweisen, dass sie das nötige fachliche und praktische Wissen dafür haben. Überhaupt werden im chemischen Pflanzenschutz nur Substanzen eingesetzt, die umfangreiche Tests und Zulassungskontrollen durchlaufen und bestanden haben. Im Durchschnitt dauert es über elf Jahre und kostet ein Unternehmen rund 250 Millionen Euro, bis ein einziger neuer Wirkstoff für den Markt zugelassen wird.

Wie sicher sind chemische Pflanzenschutzmittel? Man liest doch immer wieder von angeblich gefährlichen Rückständen in Lebensmitteln.
Zwei Drittel der Deutschen glauben laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln gar nicht erlaubt sind. Das stimmt nicht – die Rückstände dürfen, ähnlich wie bei vielen anderen Produkten des täglichen Lebens, nur ein bestimmtes Maximalmaß nicht überschreiten. Um diese Höchstgehalte festzulegen, werden umfangreiche Tests durchgeführt. In Deutschland sind vier Bundesbehörden an der Entscheidung über die Zulassung eines neuen Pflanzenschutzmittels beteiligt.

In Europa herrschen die strengsten Auflagen und Sicherheitsstandards für die Entwicklung, Zulassung und Nutzung chemischer Pflanzenschutzmittel weltweit. Ob die Pflanzenschutzmittel verantwortungsbewusst und sachgemäß angewendet werden, wird regelmäßig bei den Landwirten vor Ort kontrolliert.

Geht es wirklich gar nicht ohne Chemie? Im ökologischen Landbau wird doch beispielsweise nicht gespritzt.
Auch Bio-Landwirte kommen nicht ganz ohne Pflanzenschutzmittel aus. Zwar sind für sie biologische und mechanische Schutzverfahren ungemein wichtiger als für konventionell arbeitende Landwirte. Doch auch im Biolandbau sind bestimmte Pflanzenschutzmittel zugelassen. Als Fungizid, also zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten, nutzen Biobauern zum Beispiel Lösungen aus Kupfersalzen. Das Schwermetall Kupfer ist wenig umweltfreundlich: Es schädigt nachweislich die Bodenfruchtbarkeit und – ab einer gewissen Dosierung – auch Regenwürmer und Fische. Die eingeschränkten Schutzmöglichkeiten im Bioanbau haben jedoch auch deutlich spürbare Auswirkungen: Im Schnitt sind die Erträge aus der ökologischen Landwirtschaft um 50 Prozent geringer als die der konventionellen Anbauer und dabei teurer. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist also auch eine Frage des Lebensstils: Auf wie viele Lebensmittel wollen wir verzichten – und wie teuer dürfen sie sein?


Aktuelles

„Schau ins Feld!“ geht 2018 in die vierte Runde

Mit der Aktion „Schau ins Feld!“ 2018 führen Landwirte den Verbrauchern wieder aktiv vor Augen, wie wichtig Pflanzenschutz für Ertrag und Qualität der Ernte ist. Die Anmeldung für die neue Saison ist ab sofort möglich. Mitmachen können alle Landwirte – ob konventionell oder ökologisch arbeitend, ob Ackerbauer, Winzer, Obst- oder Gemüsebauer.

Statement

Ich bin dankbar, mit Schau ins Feld! zeigen zu können, wie der Acker ohne Planzenschutz aussehen könnte und somit den Verärgerungen und Anschuldigungen vieler Verbraucher etwas entgegen zu setzen. In der heutigen Zeit wird viel verlangt und trotzdem qualitativ hochwertige Nahrung erwartet, darüber sollten sich die Menschen Gedanken machen und sich in unsere Lage versetzen. […]

Jörn Raab, Landwirt