Bio oder Konventionell – Das ist keine Glaubensfrage

Die gesellschaftliche Debatte über Landwirtschaft verläuft zunehmend dogmatisch – und lässt damit wenig Raum für eine sinnvolle Diskussion über die Leistungen konventioneller wie ökologischer Erzeuger. Tatsache ist: Beide Produktionsweisen liefern ihren Beitrag zu jenem vielfältigen und hochwertigen Lebensmittelangebot, das wir in Deutschland kennen. In jeder Produktionsform ist das dank Pflanzenschutz möglich, der die Ernten sichert. Über 90 Prozent der Landwirte in Deutschland produzieren konventionell unter Einsatz von Mineraldüngern und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln sichere und gesunde Lebensmittel.

Jeder Verbraucher kann aus der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittelpalette, die die Landwirtschaft produziert, seine persönliche Entscheidung treffen, was er auf dem Teller haben möchte.

 

Höhere Produktivität

Ein moderner deutscher Landwirt ernährt heute 150 Menschen. Noch im Jahr 1950 waren es zehn. Dabei liefern konventionelle Anbauer den Löwenanteil unserer hiesigen Ernten – denn sie erzielen höhere Erträge je Hektar. Auf Datenbasis des Bundeslandwirtschaftsministeriums erhob das Forschungsinstitut HFFA die Ertragsunterschiede.

 

 

Im Durchschnitt geht die Umstellung auf Öko-Landbau mit Ertragsrückgängen von 50 Prozent einher. Zu ähnlichen Ergebnissen kam die Österreichische Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, deren Leiter selbst praktizierender Bio-Landwirt ist. Die Behörde zog den Schluss: „Bei einer flächendeckenden Umstellung auf Biolandwirtschaft ist von einer massiv steigenden Importabhängigkeit in der Lebensmittelversorgung auszugehen“.

 

Identische Qualität

Gesundheitsaspekte stehen für die meisten Käufer ökologisch erzeugter Nahrungsmittel im Vordergrund. Sind Bio-Produkte gesünder? Die Stiftung Warentest sagt: nein. Nach 85 Einzeltests von herkömmlichen und biologisch produzierten Lebensmitteln bilanzierten die Tester: „In ihrer Gesamtqualität liegen beide gleichauf“.

 

 

Niedrigere Endverbraucherpreise

„Bio muss man sich leisten können“, ist in der öffentlichen Diskussion mitunter zu hören. Und tatsächlich: Ökologisch produzierte Lebensmittel sind teurer. Um wie viel, ermittelten Wissenschaftler der Hochschule Pforzheim: Über alle 241 untersuchten Erzeugnisse hinweg kosteten Bio-Produkte 70 Prozent mehr als herkömmliche Lebensmittel. Gefördert wurde das Forschungsprojekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BMF).

 

 

Geringere Emissionen

Ökologischer Landbau gilt gemeinhin als umwelt- und klimaverträglicher. Das ist zunächst zutreffend – und am Ende dann doch nicht: Zwar verursacht die konventionelle Landwirtschaft höhere Emissionen pro Hektar – auf Grund ihrer erheblich höheren Produktivität kommt sie letztlich aber auf geringere CO2-Emissionen pro Produkteinheit (also z. B. pro Tonne erzeugtem Weizen). Der wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums hielt in diesem Zusammenhang in seinem aktuellen Klimaschutzgutachten fest: „Ökologische Landwirtschaft kann nicht als Klimaschutzmaßnahme empfohlen werden“.

 

 

Landläufiger Irrtum: Bio = ungespritzt

Die öffentliche Diskussion über Pflanzenschutz ist nicht zuletzt von Klischees geprägt. Eines von diesen lautet: Konventionelle Landwirte spritzen (und zwar Gift), Bio-Produzenten dagegen nicht.

Beides ist unzutreffend. Zum einen setzen konventionelle Landwirte kein Gift ein, sondern wenden gezielt hocheffiziente und innerhalb der strengen gesetzlichen Regelungen gesundheitlich unbedenkliche Wirkstoffe an, um ihre Nutzpflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkrautkonkurrenz zu schützen und somit ihre Ernten zu sichern. Dabei genügen auf einen Hektar, also 10.000 m2, 100 Milliliter – der Inhalt eines kleinen Joghurtbechers. Übrigens tun die Landwirte das auf Basis vorgeschriebener Sachkunde, führen über jede Anwendung gründlich Buch und werden von den Behörden streng überprüft.

Zum anderen verwenden auch viele Bio-Produzenten Spritzmittel. Im Öko-Landbau besonders beliebt ist Kupfer. Die Liste der im Öko-Landbau zugelassenen Wirkstoffe ist lang. Mitunter reichen diese allerdings nicht aus – so 2016, als die Witterung die Ernten massiv bedrohte. Die Landesregierungen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erteilten letztlich Sondergenehmigungen an ihre Bio-Erzeuger, andere effiziente Wirkstoffe zu verwenden, um komplette Ernteausfälle zu vermeiden.


Aktuelles

Bio-Produkte in der Kritik

Bio-Produkte sind nicht per se gesünder als herkömmliche Lebensmittel. Das haben inzwischen zahlreiche Untersuchungen – von Stiftung Warentest bis zur Universität Stanford – gezeigt. Verbraucher können ihre Lebensmittel aus einem vielfältigen Angebot auswählen. Dabei stärker regional und saisonal zu denken, ist sicher kein schlechter Rat.

Statement

Pflanzenschutz sorgt, auch unter schwierigen Bedingungen,  für anhaltend hohe und konstante Qualität unserer Lebens- und Futtermittel.

Leonhard Ottensteiner, Agrarberater