Bienengesundheit

FLEIßIGER FREUND UND WERTVOLLER HELFER

Ohne gesunde Bienen geht in der Landwirtschaft wenig. Beispiel Europäische Union: 80 Prozent der hier angebauten Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung der Honigbiene sowie ihrer wilden Verwandtschaft angewiesen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Ökosystem-Dienstleistungen. Und deren Gegenwert ist erheblich: Er beläuft sich auf 22 Milliarden Euro – allein innerhalb der EU.


 

Bestandsentwicklung – bisher kein Grund zur Beunruhigung

In den letzten Jahren wurde immer wieder vor einem Bienensterben gewarnt. Die weltweiten Fakten zeichnen ein anderes Bild. Die Welternährungsorganisation FAO registriert für die vergangenen 40 Jahre eine erheblich gewachsene Zahl der bewirtschafteten Bienenkolonien – von etwa 55 auf über 80 Millionen Völker.

 

 

Trotzdem kommt es lokal oder regional immer wieder zu Einbrüchen der Bestände. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

 

Risikofaktoren für die Bienengesundheit

Eine Vielzahl von Faktoren können sich ungünstig auswirken – darunter selbst solche, an die zunächst niemand denken würde: etwa das dichte Netz an Mobilfunkmasten – in Deutschland gibt es derzeit über 125 Millionen Mobilfunkanschlüsse – oder, wie die Universität Halle 2016 aufzeigte, das politische Weltgeschehen. So verzeichnete Europa Anfang der 1990er Jahren einen drastischen Rückgang seiner Bienenkolonien. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wende in Deutschland entfiel für viele Imker der Anreiz staatlicher Subventionen, zudem verließen sehr viele Menschen ihre Heimatregionen. Das bewirkte per Saldo einen Bestandsrückgang der bewirtschafteten Bienenvölker von 50 Prozent.

Die aktuellen Hauptrisiken sehen Europas Imker und Wissenschaftler in anderen Bereichen – das belegt eine Befragung der Europäischen Kommission (seinerzeitige General-Direktion Gesundheit und Verbraucher, GD SANCO): Beide Gruppen identifizierten übereinstimmend zwei Hauptursachen: allgemeine Krankheiten sowie einen Parasiten. Die Varroa-Milbe. Es folgen eine Reihe weiterer Faktoren – und schließlich in vergleichsweise geringem Maße auch Pflanzenschutzmittel.

Einzelne Ursachen können sich auch gegenseitig verstärken – zum Nachteil der Bienen. So begünstigt feuchte Witterung die Varroa-Population, mit dem unweigerlichen Ergebnis eines verstärkten Parasitenbefalls der Bienenvölker.

 

 

Varroa-Alarm in Australien

Australien erfreut sich ungeachtet einer intensiven Landwirtschaft (u. a. Anbau von Kulturen wie Weizen, Gerste, Raps) sehr robuster Bienen – und ist der einzige Kontinent, der noch nicht von der Varroa-Milbe befallen ist. Jedenfalls war das bis zum Sommer 2016 der Fall. Dann wurde der Parasit bei einem Bienenvolk nahe der Hafenstadt Townsville entdeckt. Die zuständigen Behörden verhängten unverzüglich einen Sperrkreis von zehn Kilometern rund um den Fundort.

 

Grundsätzliche Herausforderung für die Biene

Seit dem Befall durch die Varroa-Milbe existieren in Europa quasi keine wildlebenden Honigbienenvölker mehr. Unsere europäische Honigbiene ist ein gezüchtetes Nutztier – und fliegt durch eine Kulturlandschaft.

 

 

So wird etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands landwirtschaftlich genutzt. Hinzu kommen 30 Prozent Wald, der ebenfalls in weiten Teilen bewirtschaftet wird. Kulturlandschaften stellen für die meist spezialisierten Bestäuber eine Herausforderung dar – denn diese benötigen voll intakte, spezifische Lebensräume. Viele Landwirte versuchen, das Nahrungsangebot für die Biene zu erweitern, indem sie Ackerblühstreifen anlegen. Aus wohlverstandenem unternehmerischem Interesse – sie wissen um den Wert gesunder Bienen. Aber auch jeder Balkon- oder Gartenbesitzer kann durch entsprechende Bepflanzung einen Beitrag leisten.

Wer bereits Bienen füttert und damit anderen eine Anregung bieten möchte, kann sich an der diesjährigen Kampagne des Bundeslandwirtschaftsministeriums beteiligen.

 

Neonikotinoide

Der sachgemäße Einsatz von modernem Pflanzenschutz ist nicht ursächlich für immer wieder auftretende Beeinträchtigungen der Bienenpopulationen. Das gilt auch für die Wirkstoffgruppe der Neonikotinoide, die von der Europäischen Kommission 2013 mit einem vorläufigen Anwendungsverbot belegt wurden. Der Nutzen des zunächst befristeten Verbots für die Bestäuber selbst ist umstritten. Unumstritten sind dagegen dessen negative Auswirkungen auf die Klimabilanz sowie die Einkommen der Landwirte.

 

 

Ob die Landwirte der EU das wichtige Mittel gegen Schadinsekten zukünftig wieder verwenden dürfen, entscheidet sich voraussichtlich in diesem Jahr.

Zur aktuellen Situation und Perspektive der Honigbiene insbesondere aus Sicht der Landwirtschaft und der Pflanzenschutzhersteller hat der Industrieverbrand Agrar e. V. (IVA) eine Borschüre aufgelegt, die einen Beitrag zu einer sachlichen und faktenbasierten Diskussion leisten möchte.

 

Deutsches Bienenmonitoring

Die Ursachen für eine Beeinträchtigung der Bienengesundheit sind zahlreich. Zugleich ist die Rolle der Biene – nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für das gesamte Ökosystem – zentral. Es wird wichtig sein, die tatsächlichen Risiken nachzuvollziehen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass auch die Bestäuber einer nachhaltigen Zukunft entgegen sehen. Hierzu leistet nicht zuletzt das 2004 gestartete und mit Bundesmitteln geförderte Deutsche Bienenmonitoring (DeBiM) einen wesentlichen Beitrag.

2016 wurde zudem das Fachinstitut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut (JKI) eingerichtet, der zentralen Forschungseinrichtung des Bundes für Kulturpflanzen. Ziel des Fachinstituts ist, die Bienengesundheit durch wissenschaftliche Ursachenforschung weiter zu verbessern.

 

Viele Akteure, ein Ziel

Ende März 2017 richtete das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in Berlin die erste Internationale Bienenkonferenz aus. 500 Experten diskutierten Strategien und Maßnahmen für den Schutz der Bienen. Bundesminister Christian Schmidt betonte bei dieser Gelegenheit: "Wir brauchen die Biene, ihr Schutz ist eine schlichte Lebensnotwendigkeit".


Aktuelles

Erste Internationale Bienenkonferenz

In diesem Jahr führten das Bundeslandwirtschaftsministerium und der Deutsche Imkerbund die erste Internationale Bienenkonferenz durch. 500 Experten diskutierten die facettenreichen Herausforderungen für die Bestäuber sowie entsprechende Lösungsstrategien und Maßnahmen. Wie vielfältig die Einflussfaktoren auf die Bienengesundheit tatsächlich sind, ist im Tagungsband der Konferenz nachzulesen.

Statement

Zuhören und Verstehen, wie der Verbraucher denkt – um so eine gemeinsame Kommunikationsebene für ein gutes Miteinander aufzubauen.

Michael Faust, Landwirt aus Großenlüder